Partys dürfen nicht ohne Konsequenzen für die Verantwortlichen bleiben

Seit dem Filmstart von „Project X“ im Mai 2012 finden nahezu wöchentlich facebook Partys im gesamten Bundesgebiet statt, die der Polizei nicht unerheblich Arbeit bescheren. Ziel und Wunsch der zum größten Teil fiktiven Veranstalter ist es, der Party des Films, in dem es um Alkohol, Sex und jede Menge Zerstörungswut geht, nachzueifern.

Bereits vor dem Filmstart im Mai 2012 kam es vereinzelt zu facebook Partys, jedoch oftmals in Zusammenhang mit Geburtstagspartys, die in facebook meist versehentlich für die Öffentlichkeit freigegeben wurden.

Die zwischenzeitliche Entwicklung zeigt jedoch, dass es IN ist zu einem Massenevent in öffentlichen Netzen wie facebook einzuladen. Hierzu werden spezielle Anleitungen auf der Veranstaltungsseite zur Verfügung gestellt, damit die User auf einfachstem Wege all ihre Freunde, ohne jeglichen Aufwand, auf einmal einladen können.

Die Verantwortlichen der fehlgeschlagenen Geburtstagspartys, die zum Massenevent ausuferten, waren seinerzeit schnell ermittelt, da diese mit realen oder zu ermittelnden Personalien ihren Account bei facebook betrieben.

Die tatsächlichen Verursacher der jüngsten Massenevents, wie kürzlich in Backnang und Konstanz, bleiben jedoch meistens im Dunkeln. Sie nutzen keine realen Accounts, sondern erstellen hierfür extra Fakeaccounts. Bei der Erstellung benutzen diese Programme, die ihre wahre IP-Adresse verschlüsseln, oder sie tauchen einfach in der Anonymität von Internetcafés ab.

Die Kosten für den Polizeieinsatz einer solchen Party sollten dem Verursacher in Rechnung gestellt werden, fordert der stellvertretende Bundesvorsitzende der JUNGEN POLIZEI, Michael Haug. „Die Kosten müssen von demjenigen getragen werden, der zu der Veranstaltung einlädt." Damit liegt die JUNGE POLIZEI auf einer Linie mit Baden-Württembergs Innenminister Reinhard Gall (SPD).

Die jüngsten Forderungen facebook an den Kosten von Polizeieinsätzen zu beteiligen, verfehlt die Problematik. facebook ist auf Grund mehrerer Millionen neuer Events im Monat nicht in der Lage, diese aus Eigeninitiative heraus nach "verbotenen Partys" zu durchsuchen. Der Kosten-Nutzen Aufwand stünde in keinem Verhältnis.

"Eine Änderung des Polizeigesetzes, wie dies von Reinhold Gall notfalls angedacht ist, um die Kosten dem Verursacher auf einer rechtlich festen Grundlage in Rechnung stellen zu können, kann nur der zweite Schritt einer vernünftig durchdachten Lösung sein. Der erste Schritt muss sich damit beschäftigen, wie es in Zukunft möglich ist, die Daten des Verursachers zweifelsfrei zu ermitteln" so Haug weiter.

Haug sieht facebook jedoch auch auf Grund der Position als Global Player in großer Mitverantwortung. "Die Problematik besteht nicht darin, dass facebook die Möglichkeit bietet Veranstaltungen einzustellen, sondern darin, dass die User, die zu solchen Veranstaltungen aufrufen, nicht zu ermitteln sind. facebook muss daher dafür Sorge tragen, dass nur reale Nutzer das Netzwerk nutzen und Ermittlungsbehörden ohne zeitlichen Verzug an diese Daten gelangen."

Die ersten Schritte in diese Richtung durch facebook sind bereits erkennbar. So wurde vor kurzem durch facebook die "Petz-Funktion" getestet, die andere Nutzer dazu auffordert, mitzuteilen, ob es sich bei dem angezeigten User um eine echte Person handelt.

"Eine Einführung einer Verifizierung - analog anderer Onlineportale - vor der ersten Nutzung wäre der richtige Schritt Seitens facebook" sagte der stellvertretende Bundesvorsitzende der JUNGEN POLIZEI, Michael Haug.

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